Alles über das Profil und die Profiltiefe von Winterreifen

Letztes Update: 17.06.24

 

Winterreifen sind hierzulande ein absolutes Muss in der kalten Jahreszeit. Doch was macht einen Winterreifen eigentlich genau aus und warum ist die Profiltiefe so wichtig? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie zu den Besonderheiten beim Profil von Winterreifen sowie der Profiltiefe wissen müssen.

 

Was macht einen Winterreifen aus?

Ein Winterreifen unterscheidet sich nicht nur durch sein Profil, sondern auch durch seine Gummimischung und das Alpine-Symbol von Sommerreifen oder nicht wintertauglichen Allwetterreifen.

Alpine-Symbol: Seit 2018 müssen Winterreifen in der EU das Alpine-Symbol, auch “Schneeflockensymbol” genannt, tragen. Dieses Zeichen garantiert, dass der Reifen unter winterlichen Bedingungen getestet wurde und diese Tests bestanden hat. Allwetterreifen mit M+S Kennzeichnung ohne Alpine-Symbol gelten hierzulande nicht mehr als Winterreifen.

Fahreigenschaften: Im Gegensatz zu Sommerreifen sind Winterreifen für niedrigere Temperaturen optimiert. Die spezielle Gummimischung bleibt auch bei Kälte flexibel, was für mehr Grip auf schneebedeckter und eisiger Fahrbahn sorgt.

 

Profil von Winterreifen vs. andere Reifenarten

Das Profil eines Reifens spielt eine entscheidende Rolle bei der Traktion, die er auf verschiedenen Oberflächen bietet. Es ist speziell darauf ausgelegt, Wasser, Schlamm, Schnee und andere Hindernisse effektiv zu verdrängen und damit Aquaplaning und andere Gefahren zu vermindern.

 

Unterschiede im Profil zwischen Sommer- und Winterreifen

Sommerreifen sind in erster Linie darauf ausgelegt, bei trockenen und nassen Bedingungen optimal zu funktionieren. Sie verfügen über größere Blöcke und weniger Lamellen. Das Profil von Winterreifen ist komplexer, mit zahlreichen Lamellen und Rillen, die Schnee aufnehmen und festhalten können, um eine “Schneeketten”-ähnliche Wirkung zu erzielen, die den Grip auf winterlichen Straßen verbessert.

 

Unterschiede im Profil zwischen Allwetter- und Winterreifen

Allwetterreifen versuchen, das Beste aus beiden Welten zu bieten. Sie haben ein mittelschweres Profil mit Eigenschaften sowohl von Sommer- als auch von Winterreifen. Während sie in milden Wintern gut funktionieren können, bieten spezialisierte Winterreifen bei extremen Bedingungen einen deutlich besseren Halt. Allwetterreifen sind in der Regel mit speziellen Symbolen gekennzeichnet, die ihre Eignung für verschiedene Bedingungen anzeigen.

 

Die Winterreifen-Profiltiefe

Die Profiltiefe eines Reifens ist entscheidend für seine Leistungsfähigkeit, insbesondere unter extremen Witterungsbedingungen. In Deutschland beträgt die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe für Winterreifen 1,6 mm. Aber warum ist diese Zahl so wichtig?

Zu Beginn ist zu betonen, dass diese Mindestanforderung gerade das ist: ein Minimum. Viele Experten empfehlen, Winterreifen bereits bei einer Profiltiefe von 4 mm auszutauschen, um eine optimale Performance und Sicherheit zu gewährleisten.

Die Rillen und das tiefe Profil eines Winterreifens erfüllen vor allen Dingen drei Aufgaben:

  1. Schnee: In verschneiten Bedingungen greifen die tiefen Rillen und das Profil des Reifens den Schnee, ähnlich wie eine Schaufel. Das eingefangene Schnee-im-Schnee-Prinzip sorgt für eine bessere Traktion, da Schnee an sich reibungsstark ist, wenn er gegen anderen Schnee gepresst wird.
  2. Wasser: Bei Nässe leiten tiefe Rillen das Wasser effektiv von der Aufstandsfläche des Reifens ab. Dies verhindert Aquaplaning, ein Phänomen, bei dem der Reifen auf einer Wasserschicht “schwimmt” und den Kontakt zur Straße verliert.
  3. Eis und Matsch: Das tiefe Profil und die spezifischen Lamellen-Designs verbessern den Grip auf eisigen und matschigen Straßen. Die Lamellen bieten zusätzliche Greifkanten, die in den Untergrund “beißen” und somit ein sichereres Fahrgefühl vermitteln.

Es ist also festzuhalten, dass je tiefer und ausgeprägter das Profil, desto besser die Leistung des Reifens unter extremen Witterungsbedingungen. Ein abgenutzter Reifen mit geringer Profiltiefe verliert erheblich an Leistung und kann insbesondere bei winterlichen Bedingungen gefährlich werden. Daher ist es wichtig, regelmäßig die Profiltiefe zu überprüfen und den Reifen gegebenenfalls zu ersetzen.

 

Die Profiltiefe selbst ermitteln

Um die Profiltiefe zu messen, kann man eine 1-Euro-Münze verwenden. Wenn der goldene Rand der Münze im Profil verschwindet, liegt die Profiltiefe bei etwa 3 mm. Allerdings gibt es auch spezielle Profiltiefenmesser, die genauere Ergebnisse liefern.

Eine ausführliche Anleitung, wie Sie die Profiltiefe von Winterreifen messen, finden Sie im Video:


 
Unterschiede bei der Profiltiefe neuer Winterreifen

Neue Winterreifen haben in der Regel eine Profiltiefe zwischen 7-9 mm. Diese Tiefe ermöglicht optimalen Grip auf Schnee und Eis und gewährleistet eine hohe Sicherheit im Straßenverkehr. Obwohl die meisten Modelle in diesem Bereich liegen, können sich die Tiefen zwischen verschiedenen Marken und Modellen geringfügig unterscheiden. Das ist in erster Linie abhängig vom Design und den Herstellungsverfahren. Einige High-End-Modelle können beispielsweise mit einer etwas tieferen Profilgestaltung kommen, um eine noch bessere Traktion zu bieten.

 

Die wichtigsten Hersteller von Winterreifen

Michelin: Einer der weltweit führenden Reifenhersteller. Michelin-Winterreifen sind für ihre Langlebigkeit und hohe Performance bekannt. Der “Michelin Alpin” ist eines ihrer bekanntesten Modelle für den Winter.

Continental: Ein deutscher Riese in der Reifenindustrie. Ihr “WinterContact” ist besonders beliebt und bietet exzellenten Grip bei Schnee und Eis.

Bridgestone: Dieser japanische Hersteller bietet z.B. mit seiner “Blizzak”-Reihe hervorragenden Halt auf winterlichen Straßen.

Pirelli: Ein italienischer Hersteller, der oft mit Motorsport in Verbindung gebracht wird. Ihr “Winter Sottozero” ist für seine Sportlichkeit und Sicherheit geschätzt.

Goodyear: Mit dem “UltraGrip” bietet Goodyear eine zuverlässige Option für winterliche Bedingungen.

Dunlop: Bekannt für seine technologische Innovation, hat Dunlop mit dem “Winter Sport” eine Reifenreihe, die Performance mit Sicherheit verbindet.

Hankook: Als aufstrebende Marke in Europa hat Hankook den “Winter i*cept” im Angebot, der durch eine gute Performance punktet.

Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Hersteller von Winterreifen. Wichtig ist dabei auch zu erwähnen, dass günstige Reifen nicht unbedingt schlechter sein müssen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass selbst ein tendenziell eher schlechter Winterreifen im Winter deutlich sicherer ist als der beste Sommerreifen.

In unserem Winterreifen-Test 2022/2023 finden Sie weitere Informationen und empfehlenswerte Winterreifen für Ihr Fahrzeug.

 

Weitere Sicherheitsfaktoren neben der Profiltiefe

Während die Profiltiefe bei Winterreifen von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit auf winterlichen Straßen ist, gibt es noch andere Aspekte, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Ein Reifen ist mehr als nur seine Oberfläche, und es gibt mehrere Faktoren, die die Gesamtleistung und Sicherheit eines Reifens beeinflussen.

  • Alter der Reifen: Mit der Zeit kann das Gummimaterial eines Reifens verschleißen oder verhärten, insbesondere wenn der Reifen längere Zeit Sonnenlicht oder extremen Temperaturen ausgesetzt war. Auch wenn das Profil noch ausreichend tief erscheint, kann ein alter Reifen rissig werden und seine Griffigkeit verlieren.
  • Lagerung: Eine korrekte Lagerung ist essentiell, um die Lebensdauer von Winterreifen zu verlängern. Reifen sollten in einem kühlen, trockenen Ort gelagert werden, fern von direktem Sonnenlicht oder extremen Temperaturen.
  • Verschleißspuren: Unregelmäßiger Verschleiß kann auf Probleme mit der Balance oder der Ausrichtung des Fahrzeugs hinweisen. Solche Probleme können die Leistung des Reifens beeinträchtigen und seine Lebensdauer verkürzen.
  • Witterungsbedingungen: Obwohl Winterreifen für kalte und rutschige Bedingungen konzipiert sind, können extreme Wetterbedingungen wie starkes Schneetreiben oder Eisregen selbst für die besten Reifen eine Herausforderung darstellen. In solchen Situationen ist es wichtig, die Geschwindigkeit zu reduzieren und vorsichtig zu fahren.

Bei der Unfallprävention spielen gute Reifen eine wichtige Rolle.

Darum sollten Sie mit Winterreifen nicht im Sommer fahren

Es mag verlockend sein, die Winterreifen das ganze Jahr über zu nutzen und den Wechsel zu sparen. Jedoch gibt es triftige Gründe, dies zu vermeiden.

Winterreifen haben eine weichere Gummimischung, die speziell für niedrige Temperaturen entwickelt wurde. Bei sommerlichen Temperaturen kann diese weiche Mischung schnell abnutzen, was zu einem schnelleren Verschleiß und einer kürzeren Lebensdauer des Reifens führt.

Winterreifen sind zudem explizit für winterliche Bedingungen optimiert, nicht für die Hitze des Sommers. Ihre Fahreigenschaften, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten oder abruptem Bremsen, können im Sommer beeinträchtigt sein. Aufgrund ihres speziellen Profils und ihrer weicheren Gummimischung können Winterreifen den Rollwiderstand erhöhen, was wiederum zu einem höheren Kraftstoffverbrauch führt.

Bei warmem Wetter und auf trockenen Straßen können Winterreifen darüber hinaus einen längeren Bremsweg haben als Sommerreifen, was das Risiko von Unfällen erhöhen kann. Obwohl Winterreifen gut darin sind, Schnee abzuleiten, sind sie weniger effektiv beim Ableiten von Wasser auf nassen Straßen im Sommer, was zu einer erhöhten Aquaplaning-Gefahr führt. Sie sollten daher nie mit Winterreifen im Sommer fahren, auch wenn es im Vergleich zum Fahren mit Sommerreifen im Winter sicherlich das geringere Übel ist.

 

Winterreifen bei Motorrädern

Wenn es um das Fahren bei winterlichen Bedingungen geht, denken die meisten Menschen sofort an Autos. Aber Motorradfahrer sind ebenfalls von den Herausforderungen des Winters betroffen. Obwohl das Motorradfahren im Winter weniger verbreitet ist, gibt es dennoch einige hartgesottene Seelen, die auch bei Kälte und Schnee ihre Zweiräder nutzen. Für sie sind Winterreifen für Motorräder unerlässlich.

 

Eigenschaften von Motorrad-Winterreifen

Winterreifen für Motorräder müssen ebenfalls strenge Anforderungen an die Profiltiefe und die Gummimischung erfüllen:

Profil: Genau wie bei Autoreifen sind die Profile von Motorrad-Winterreifen speziell für winterliche Bedingungen gestaltet. Sie verfügen über tiefe Rillen und Lamellen, die helfen, Schnee und Wasser abzuleiten und gleichzeitig den Grip auf eisigen oder nassen Straßen zu erhöhen.

Gummimischung: Die Gummimischung bei Winterreifen für Motorräder ist weicher als bei Standardreifen. Dies sorgt dafür, dass der Reifen auch bei niedrigen Temperaturen flexibel bleibt und nicht verhärtet, was zu einem besseren Grip führt.

Stabilität: Aufgrund des Zweirad-Designs von Motorrädern ist Stabilität bei winterlichen Bedingungen besonders wichtig. Winterreifen bieten hier einen besseren Halt und reduzieren das Risiko von Rutschunfällen.

 

Herausforderungen und Empfehlungen

Beim Fahren mit einem Motorrad im Winter gibt es andere Herausforderungen als beim Fahren in einem Auto. Die wichtigsten Empfehlungen in diesem Zusammenhang haben wir hier für Sie zusammengefasst.

  • Geringere Bodenhaftung: Motorräder haben von Natur aus eine geringere Bodenhaftung als Autos. Daher ist es noch wichtiger, dass Motorradfahrer in den Wintermonaten spezielle Reifen verwenden.
  • Wetterbedingungen: Selbst mit Winterreifen sollten Motorradfahrer extrem vorsichtig sein und möglicherweise das Fahren bei extremem Schnee oder Eis ganz vermeiden.
  • Vorbereitung: Es ist wichtig, das Motorrad regelmäßig auf technische Mängel zu überprüfen, insbesondere vor dem Winter. Bremsen, Lichter und natürlich Reifen sollten in einwandfreiem Zustand sein.
  • Kleidung: Während dies nicht direkt mit Reifen zu tun hat, ist es dennoch wichtig zu erwähnen, dass eine angemessene winterfeste Kleidung essentiell ist, um bei kalten Bedingungen sicher und komfortabel zu fahren.

 

Fazit zum Profil von Winterreifen

Das Profil von Winterreifen ist mehr als nur eine gestaltete Oberfläche – es ist das Ergebnis umfassender Forschung und Ingenieurskunst, die darauf abzielt, Fahrern die maximale Sicherheit und Leistung unter winterlichen Bedingungen zu bieten. Die spezifischen Muster, Rillen und Lamellen dienen dazu, Schnee effektiv zu greifen, Wasser abzuleiten und optimalen Halt auf eisigen Straßen zu bieten.

Während die Profiltiefe ein entscheidender Faktor für die Effektivität des Reifens ist, spielen auch andere Aspekte wie das Reifenalter, die Lagerung und regelmäßige Überprüfungen eine wesentliche Rolle für die Gesamtsicherheit. Ein geeigneter Reifen, der auf die jeweiligen Wetterbedingungen abgestimmt ist, kann den Unterschied zwischen einer sicheren Fahrt und einem potenziellen Unfall ausmachen.

Die Verantwortung für die Sicherheit auf der Straße liegt letztlich bei Ihnen als Fahrer. Regelmäßige Kontrollen, ein angepasstes Fahrverhalten und das Bewusstsein für die Bedingungen sind unerlässlich, um sicher durch den Winter zu kommen.

Meistgestellte Fragen

Die wichtigsten Fragen zum Profil von Winterreifen haben wir hier kurz für Sie zusammengefasst und beantwortet. Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren oder einen Kommentar hinterlassen.

 

Wieviel Profil muss ein Reifen haben?

Gesetzlich vorgeschrieben sind in Deutschland 1,6 mm, empfohlen werden jedoch mindestens 4 mm.

 

Wieviel Profil hat ein neuer Winterreifen?

Meistens liegt die Profiltiefe neuer Winterreifen zwischen 7 und 9 mm.

 

Wie kann ich das Alter von Winterreifen ermitteln?

Auf dem Reifen befindet sich eine vierstellige DOT-Nummer. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Produktionswoche und die letzten beiden für das Produktionsjahr.

 

Wie lagere ich Winterreifen richtig?

Am besten lagern Sie Winterreifen kühl, trocken und dunkel. Ideal sind spezielle Reifenständer oder -wände.

 

Kann ich mit Winterreifen das ganze Jahr fahren?

Theoretisch ja, aber es ist nicht empfehlenswert, da der Verschleiß höher ist, die Bremswege können länger und die Aquaplaning-Gefahr kann höher sein.

 

 

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    • Carsten

Carsten ist Perfektionist, Autodidakt und Experte für alles, was sich um innovative Technologien, Elektronik, Mechanik und Technik im Allgemeinen dreht. Als begeisterter Go-Kart-, Rally-, Quad- und Mopped-Fahrer seit Jugendtagen hatte er schon immer eine Begeisterung fürs motorisierte Fahren. Bis heute hat er zahlreiche Fahrzeuge von acht verschiedenen Marken privat gefahren, an ihnen geschraubt, die Software gepimpt und sich bis ins kleinste Detail mit allem auseinandergesetzt, was ein modernes Fahrzeug ausmacht. Diese praktischen Erfahrungen in Verbindung mit seiner Begeisterung fürs Schreiben, seinen Fachkenntnissen aus den Bereichen Handel, Marketing, Informatik und seiner Autorentätigkeit machen ihn zum Mann für alles in unserem Team; egal, ob es um Fakten-Checks, Korrekturen, Lektorate oder das Anlernen neuer Autoren geht – wo andere fertig sind, fängt er erst an.